Eintrittskarten gestalten, die am Einlass funktionieren
Zehn Minuten vor der Vorband sieht der Einlass eines Saals mit 180 Plätzen so aus: eine Ehrenamtliche, eine Stirnlampe und eine Schlange bis auf den Gehweg. Sie nimmt die Karte, reißt sie an der Perforation ab, wirft den Abriss in einen Schuhkarton, gibt den Rest zurück und sagt "Bar ist links". Drei Sekunden pro Person, zweihundertmal.
Dieser Einlass ist das komplette Briefing, wenn man Eintrittskarten gestaltet — und genau dafür gestaltet fast niemand. Die meisten Karten, die ich sehe, wurden als Mini-Plakat gedacht: hübsches Foto, Bandname, das Datum irgendwo unten in 8 pt. Die Punktlinie kam am Ende dazu, weil Tickets nun mal Punktlinien haben. Dann wird abgerissen, und die Hälfte der Informationen verlässt das Gebäude in einer Hosentasche.
Eine Eintrittskarte sind zwei Designs an einer Perforation
Das ist der Punkt, der das Layout verändert: Eine Karte bleibt nicht ein Stück. In dem Moment, in dem sie benutzt wird, sind es zwei Objekte mit zwei Besitzern und zwei Aufgaben.
Die Hälfte für den Gast geht mit nach Hause. Andenken, Beleg und — bis er drin ist — das, was er in der Bahn kontrolliert, um sicherzugehen, dass es der richtige Abend ist. Sie trägt das Emotionale und das "wo muss ich hin".
Der Abriss bleibt bei dir, im Karton oder auf einer Klammer, und damit rechnest du den Abend ab: wie viele kamen, welche Charge, welcher Verkäufer, ob die Verlosung sauber ist. Ein Buchhaltungsbeleg, der zufällig auf demselben Karton gedruckt ist.
Die Frage lautet also nicht "was kommt auf die Karte". Sondern: was muss den Abriss auf beiden Seiten überleben. Mindestens Veranstaltungsname, Datum und Nummer stehen auf beiden Hälften. Ja, das wirkt doppelt. Es ist die nützlichste Dopplung dieses Formats: Ein Abriss ohne Datum ist wertlos, sobald du eine zweite Veranstaltung machst, und eine Karte ohne Nummer lässt sich weder einer Reklamation noch einer Rückerstattung zuordnen.
Was wohin gehört: ein echtes Beispiel
Northline, ein Quartett, spielt am Freitag, 14. November in der Harbour Hall. Einlass 19:30. 180 Karten, 15 € im Vorverkauf, 20 € an der Abendkasse. So würde ich aufteilen.
Hauptteil (der breite, etwa 75 % der Breite):
NORTHLINE— das mit Abstand größte Element. Das ist der Grund, die Karte aufzuheben.HARBOUR HALL · KAISTRASSE 42— Location und Straße, denn "Harbour Hall" ist für Ortsfremde keine Adresse.FR 14. NOV · EINLASS 19:30— eine Zeile, in dieser Reihenfolge. Wochentag zuerst: Menschen orientieren sich an "Freitag", nicht am "14.".15 € VVK— klein, unten links. Der Beleg über den gezahlten Preis.- Ein QR-Code, rund 20 mm, unten rechts, auf einem weißen Feld.
Abriss (der schmale Teil):
Nr. 047— das größte Element auf dem Abriss.NORTHLINE · 14. NOV— Veranstaltung und Datum noch einmal, komprimiert.- Eine Leerzeile für Name und Telefonnummer. Kostet nichts, und falls du je eine Tombola am Einlass machst oder jemanden erreichen musst, ist der Abriss schon das Los.
Mehr nicht. Kein Bandfoto auf dem Abriss, kein Logo, kein "Danke für deine Unterstützung". Der Abriss wird um ein Uhr nachts im Schuhkarton von jemandem gelesen, der zählt.
Die Maße, die Ärger in der Druckerei ersparen
Übliche Formate: 210 × 74 mm (vier Karten auf einem A4-Bogen) oder 5,5 × 2,125 Zoll, wenn deine Druckerei in Zoll arbeitet. In beiden Fällen:
- 3 mm Beschnitt an den Außenkanten: Der Hintergrund muss über den Schnitt hinauslaufen, sonst bekommst du auf einer Seite eine weiße Blitzer-Kante.
- 4 mm Freiraum links und rechts der Perforation. Perforiermaschinen wandern um ein bis zwei Millimeter. Text direkt auf der Linie kommt angefressen zurück.
- Nummeriere beide Hälften. Wenn nur eine geht: den Abriss. Das ist das Exemplar, das du behältst.
- Die Schreiblinie nicht lackieren oder cellophanieren. Kugelschreiber rutscht auf glänzend gestrichenem Karton ab — und die Ehrenamtliche am Einlass verflucht dich auf eine Art, die du nie mitbekommst.
- Dunkle Karte? QR-Code auf ein weißes Feld. Hell auf dunkel ist der häufigste Grund, warum ein Code am Einlass scheitert, und der Einlass ist genau der Ort, an dem kein zweiter Versuch drin ist. Die übrigen Fallen habe ich in einen QR-Code auf einen Flyer bringen, den Leute wirklich scannen durchgespielt: Größenregel und Ruhezone gelten hier identisch.
Und noch eine, die fast alle überspringen: fortlaufende Nummerierung ist eine Funktion, keine Deko. Nummerierte Karten zeigen dir den Abverkauf pro Person, wenn du Blöcke à 20 verteilst, machen Doppelungen sofort sichtbar und verwandeln jede Karte in ein Tombola-Los, ohne dass du etwas Zweites druckst. Drucke 001 bis 180, gib 001-020 an die Mutter des Schlagzeugers, und am Ende des Abends weißt du genau, wer was bewegt hat.
In Ridvay Studio bauen
Studio legt beide Hälften in ein Design — genau das willst du: Die Perforation ist eine Linie, die du setzt, und alles richtet sich daran aus. Fang damit an:
Gestalte eine Eintrittskarte im Format 210 x 74 mm, dunkles Marineblau mit einer kräftigen Akzentfarbe. Hauptteil: "NORTHLINE" als größtes Element, "HARBOUR HALL · KAISTRASSE 42", "FR 14. NOV · EINLASS 19:30", "15 € VVK" klein in der Ecke und ein QR-Code auf einem weißen Feld unten rechts. Eine gestrichelte Perforationslinie bei 75 % der Breite. Abriss rechts: "Nr. 001" groß, "NORTHLINE · 14. NOV" und eine dünne Linie zum Eintragen eines Namens. Halte 4 mm Abstand zu den Rändern und zur Perforation.
Zurück kommt kein flaches Bild, das du so lange neu generierst, bis es passt. Es ist ein editierbares Design: Der Bandname ist eine Textebene mit eigener Schrift und Größe, die Perforation ist eine Form, der QR-Code ist ein echter scanbarer Vektor (kein Screenshot davon), und das Marineblau ist eine Füllung, die du mit einem Klick änderst. Danach diese Änderungen — der Rat aus dem Text, angewendet:
- Klick den Bandnamen an und dreh die Größe hoch, bis es unangenehm wirkt. Auf so einem kleinen Karton ist "zu groß" meistens richtig. Dominiert er nicht, ist die Karte nichts zum Aufheben.
- Zieh die Datumszeile auch auf den Abriss. Auswählen, kopieren, rechts ablegen, verkleinern. Diese Dopplung macht den Schuhkarton überhaupt erst brauchbar.
- Färb die Kartennummer in deine Akzentfarbe. Sie ist das Einzige, was jemand auf dem Abriss sucht — also soll sie auf einen Blick zu finden sein.
- Wende dein Brand Kit an, falls vorhanden: Palette und Schriften der Location landen auf den Karten aller künftigen Veranstaltungen, ohne dass du neu entscheidest.
Danach dupliziere das Design und ändere Nr. 001 pro Kopie — oder exportiere den Bogen und lass die Druckerei nummerieren: Fast jede Kleinauflagen-Druckerei bietet fortlaufende Nummerierung für wenige Euro an, und das schlägt 180 handschriftliche Nummern. Dieselben Beschnitt- und Randregeln wie bei einem Produktetikett gestalten gelten auch hier.
Diese Eintrittskarte in Studio öffnen →
Was am Abend schiefgeht
Drei Fehler — und alle drei sind Designentscheidungen von vor Wochen.
Der Stirnlampen-Test. Einlässe sind dunkel. Druck die Karte, halt sie mit ausgestrecktem Arm unter die Handylampe und schau, ob du die Nummer liest. Wenn sie 9 pt grau auf marineblau ist, hält deine Ehrenamtliche blinzelnd die Schlange auf. Geh auf 18 pt und nimm die Akzentfarbe.
Der schiefe Abriss. Läuft die Perforation durch eine massive dunkle Fläche, sieht ein leicht verzogener Riss nach Beschädigung aus. Führ sie durch ein helleres Band oder lass ein paar Millimeter Luft auf beiden Seiten, damit auch ein schiefer Riss noch gewollt wirkt.
Der Nachdruck. Immer verliert jemand eine, und immer fehlen 20. Halt das Design editierbar und benannt, damit "gleiche Karte, Nummern 181-200" zwei Minuten dauert und kein Neuaufbau ist.
Nichts davon zielt auf eine hübschere Karte. Es geht um die Ehrenamtliche mit der Stirnlampe, die zweihundert Leute durchbekommen muss — und um dich, der den Schuhkarton hinterher zählen können soll. Gestalte den Abriss, nicht nur das Rechteck.
Eintrittskarten für deine Veranstaltung in Studio bauen — kostenlos und danach editierbar →